Samstag, 29. Dezember 2007

Die Bibel leben

Neulich saß ich mit meinem lieben Schwager im Auto und wir unterhielten uns über Gemeinde, Bibelschule usw... Er meinte dann, dass es doch so gut ist, dass wir die Bibel haben, weil das Wort uns ja alles aufzeigt und alles lehrt, was wir brauchen. Und da hat er ja sicher recht. Die Bibel ist ein Hammergeschenk, und wir nehmen sie oft viel zu selbstverständlich hin.

Aber ich vermute mal, dass ich nicht der Einzige bin, dem es schwer fällt, das zu leben, was in der Bibel steht. Ich meine, das ist ja doch die Herausforderung. Nicht so sehr das Bibel lesen, sondern das zu leben was man liest. Es ist doch recht leicht einen Vers wie Apostelgeschichte 20,35 ("Geben ist seliger als nehmen.") auswendig zu lernen, aber es ist S-A-U-schwer das dann auch in der Alltagsrealität zu leben. Darum möchte ich mal die folgende These aufstellen:

Wir Christen müssen nicht noch mehr über Gott lernen, sondern wir müssen anfangen, das zu leben, was wir schon gelernt haben.

Aber das ist halt schwer. Man liest die Bibel und dann muss man sich nicht nur überlegen, wie man das Gelesene leben kann, sondern auch, ob das Gelesene eigentlich mich im 21. Jahrhundert betrifft. Such dir ein beliebiges Kapitel im 3. Mose aus, und versuche das zu leben, was du liest... du wirst total durcheinander kommen: Ein Mann darf sich die Haare an den Seiten nicht abschneiden und sich nicht rasieren (3. Mose 19,27) und man darf auch kein Bacon frühstücken (3. Mose 11,7)? Und die Ehebrecher sollen wir steinigen (3. Mose 20,10)? Im Ernst?? Wie soll ich denn da wissen, welches Gebot für mich gilt und welches nicht???

Der New Yorker Journalist und Autor A.J. Jacobs hat ein Experiment gestartet: Wie ist es eigentlich, wenn man allem, was die Bibel sagt, wortwörtlich folgt? Er schrieb ein Buch (The Year of Living Biblically), in dem er aufschrieb, wie es für ihn war allen Gesetzen und Regeln der Bibel zu folgen. So hatte er nur weiße Klamotten an ("Als ob ich immer mein Outfit für das Wimbledon-Halbfinale oder eine P. Diddy-Party anhatte"), er aß Grillen ("Ich hab mich für die mit Schokolade entschieden, die waren crunchy.") und er trug einen Mantel und Sandalen ("Die Reaktionen der Leute waren verschieden: Manche hoben ihre Augenbrauen, andere wechselten die Straßenseite, wieder andere dachten, ich wäre eine Touristenattraktion und sie machten Fotos von mir.")


(A.J. Jacobs Tag 356 (links) und Tag 1 (rechts))

Manches war wirklich von Vorteil - den Sabbat einhalten, allezeit dankbar sein, nicht fluchen, nicht tratschen etc. All das half ihm ein besserer Mensch zu werden ("Das Verhalten formt die Überzeugung. Wenn man sich wie ein guter Mensch benimmt, wird man letztendlich ein besserer Mensch"). Aber manches war sehr schwierig - 3. Mose 15,20 verbietet es dem Mann sich auf einen Stuhl zu setzen oder auf ein Bett zu legen, auf dem eine Frau saß oder lag, die gerade ihre Tage hat. Jacobs schreibt: "Meine Frau sagte mir, sie fühle sich wie eine Aussätzige. Um sich bei mir zu rächen, setzte sie sich auf jeden Stuhl in unserem Haus. So konnte ich mich nur auf den Boden setzen oder ich musste stehen." Der Vers "Seid fruchtbar und mehret euch" (1. Mose 1,22) wurde übrigens auch umgesetzt: Seine Frau bekam Zwillinge!


(A.J. Jacobs in Manhatten)

Find ich soweit eigentlich ganz witzig. Aber es stellt sich auch die Frage, warum wir nun eigentlich die Bibel lesen sollten. Wozu? Um alle Gebote und Regeln zu lernen und sie dann so gut wir möglich zu befolgen? Nein.

Die gute Nachricht von Jesus dreht sich nicht um das Gesetz, sondern um den Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist es, der jedem Jesusnachfolger lehrt und zeigt, was es heißt Jesus nachzufolgen (Johannes 14).
Die gute Nachricht von Jesus ist der neue Bund der von den Propheten vorausgesagt wurde: "Der neue Bund, den ich dann mit dem Volk Israel schließen will, wird völlig anders sein: Ich werde ihnen mein Gesetz nicht auf Steintafeln, sondern in Herz und Gewissen schreiben. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein«, sagt der Herr." (Jeremia 31,33).
In diesem neuen Bund geht es nicht darum, aufgeschriebenen Gesetzen zu folgen, sondern das was Gott auf dem Herzen liegt im eigenen Herzen zu tragen - durch den Heiligen Geist, der uns lebt und wirkt.

Wenn wir die Bibel lesen, dann dürfen wir auf diesen Heiligen Geist hören, der uns hilft Gott zu erkennen und uns zeigt, wie wir das was wir lesen in unserem Leben umsetzen können, so dass wir letztendlich Jesus ähnlicher werden. Das wünsche ich Dir für 2008: Mögen die Früchte des Geistes, die Jesuseigenschaften, aus Galater 5,22-23 in Dir wachsen und gedeihen, so dass du Jesus immer ähnlicher wirst!

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Dienstag, 18. Dezember 2007

Der Fussballlobpreiser

Der brasilianische Fussballer Ricardo Izecson dos Santos Leite, kurz Kaka, vom AC Mailand ist gestern abend zum Weltfussballer des Jahres 2007 gewählt worden. Mit 444 Punkten setzte er sich klar vor Mitfavorit Cristiano Ronaldo (277 Punkte / 2. Rang). Das hat mich sehr gefreut, nicht nur weil er einfach ein guter Fussballer ist, sondern weil er mich durch seine öffentlichen Glaubensbekenntnisse beeindruckt. Er ist ein Lobpreiser auf dem Platz.



Kaka ist in einer evangelikalen Familie in Sao Paulo aufgewachsen. Er sagt von sich selbst, er sei "in der Gegenwart des Herrn aufgewachsen". 1994 ließ er sich taufen und seitdem sei seine Beziehung zu Gott näher, wie die von einem Vater zu seinem Sohn.

In einem Interview habe ich gelesen, dass im er im Jahr 2000 einen Unfall in einem Swimmingpool hatte, wo er mit dem Kopf auf einen Stein aufschlug. Die Ärzte halten es heute noch für ein Wunder, dass er überhaupt normal laufen kann. Seitdem zeigt Kaka bei jedem Torjubel mit beiden Händen nach oben zu seinem Herrn; seine "Ich gehör zu Jesus"-Shirts sind mittlerweile legendär und in Interviews sagt Kaka, dass Jesus der einzige Weg zum Leben ist und dass er uns seine Freundin mit dem Sex bis zur Ehe gewartet haben. Kaka will Gott die Ehre geben. Ist das nicht herrlich? Statt Sportinvalide ist er nun Weltfussballer des Jahres!

Freitag, 7. Dezember 2007

In Unterhosen in die Gemeinde?

Wie im letzten Post geschrieben, gibt es sicherlich einige Gemeinden, die sich noch darüber streiten, ob Schlagzeug oder E-Gitarre in den Gottesdienst passt. In anderen Gemeinden, denkt man immer noch, dass es eine Sünde ist mit Jeans zum Gottesdienst zu kommen. Und dann gibt es Gemeinden, die sind bereit, jemanden auf den Mond zu schicken oder Bibel-zitierende iPhones zu verschenken, wenn dadurch mehr Menschen zu Jesus finden.

Für diesen Blog setzt du dich wohl besser hin...

Vielleicht hast du ja schon von der virtuellen Internet-Welt "Second Life" gehört. Es ist ein ziemlich neues und unglaublich schnell wachsendes Phänomen, dass einem im Grunde erlaubt ein "Avartar", eine virtuelle Person, zu erschaffen, die man dann in der virtuellen Welt "lebt". Diese Avartars knüpfen dann gegenseitig soziale Kontakte. Man kommuniziert per Chatroom und man bewegt sich entweder zu Fuß, oder im Auto, per Flugzeug oder per Teleport (ja, Teleport!). Man kann echtes Geld aus der echten Welt in "Linden Dollars" umtauschen und dann kann man damit in der virtuellen Welt von echten profittragenden Firmen, Immobilien etc kaufen. So gibt es bereits Leute (also echte jetzt) die durch "Second World" steinreich geworden sind. Und dementsprechend gibt es Leute, die durch "Second World" ihr Vermögen verloren haben...

Wenn du jemand bist, der noch nicht ganz weiß, wie die Fernbedienung funktioniert, liest du den letzten Absatz vielleicht nochmal ganz langsam durch. Ist kein Scherz! Das gibt's wirklich!!



Bei alle dem stellt sich die Frage: Wenn Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt sandte, damit alle, die an ihn glauben nicht verloren gehen, meint das dann auch die Avartas? Und wird der Tag kommen, wenn unsere Gemeinden Avatarmissionare aussenden, die unter den Avatars leben und missionieren? Jesus wurde zu Fleisch und wohnte unter uns. Ist es da zuviel verlangt, wenn sich einer erbarmt und virtuell wird um unter den Avartars zu leben?

Wie ich in der Einleitung erwähnte, gibt es sicher noch Gemeinden, die haben eine elektrische Schreibmaschine und einen Tageslichtprojektor und denken dann sie seien "High Tech". Und dann gibt es Gemeinden wie die "Life Church" in Oklahoma, die ihre Gottesdienste, ähnlich wie ProChrist, per Satellit an verschiedene Orte übertragen. Seit gut einem halben Jahr gibt es eine Life Church Gemeinde in "Second Life". Kein Scherz! Die haben in der virtuellen Welt eine Insel gekauft (eine Insel kostet zwischen 5 und 295 US Dollar im Monat) und haben auf diese Insel ein Gemeindezentrum gebaut (alles virtuell, versteht sich) um die Menschen zu erreichen, die eher in eine virtuelle Kirche gehen, als in eine wirkliche.

Es sind diese Momente, in denen wir alle irgendwie denken: "Langsamer, langsamer! Die Welt dreht sich zu schnell!" Oder?


Oben: Das virtuelle Gemeindezentrum.
Unten: Die Predigt.




Der erste Gottesdienst war der Ostergottesdienst 2007. Im Gottesdienst saßen Satanisten, Jesusfans und einige "Second Life"-Promis (wasauchimmer das heißt).







Bin ich der einzige oder ist das total verrückt? Also, mich haut das um! Mich würde sehr interessieren, was du davon hältst. Die Life Church ist in dieser Hinsicht besonders und extrem, weil sie die Menschen erreichen wollen, die eher einen virtuellen Gottesdienst besuchen, als einen echten. Und ihnen ist auch ganz wichtig, dass es nicht die Avatars selbst sind, die sie erreichen wollen, sondern die echten Menschen, die sich hinter den Avatars verbergen und verstecken.

Aber das ist schon ein bisschen schräg, oder?

Ich meine, die feiern Gottesdienste mit unechten Leuten! Wenn die einen Aufruf machen und ein Avartar kommt nach vorne, was heißt das dann??? In meiner Ausbildung habe ich da drüber nichts in den Theologiebüchern gelesen und das Wort "Avartar" ist in meiner Konkordanz auch nicht drin. Aber die Leute von Life Church wissen, dass hinter den unechten Menschen echte Menschen sind, Menschen die vielleicht auf keinem anderen Weg erreicht werden können außer durch "Second Life". Und während ich hier sitze und immer noch den Kopf schüttel, muss ich doch auch den Mut anerkennen, den Life Church gezeigt hat, weil sie dorthin gegangen sind, wo vorher noch keine Gemeinde hingegangen ist.

Möge uns diese ganze Geschichte ein wenig inspirieren unseren Horizont zu erweitern wenn wir die Menschen mit Jesus in Verbindung bringen wollen. Wenn du dazu irgendwelche spontanen Gedanken oder Kommentare hast, dann schreib ein Kommentar. Mich würde wirklich interessieren, was du davon hältst!!

Zum Abschluß - und nicht ganz ernst zu nehmend - zwei Verse aus der "Second Life Bibel", die sicher auch irgendwann kommen wird... :)
Galater 3, 28: Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mensch noch Avartar; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.
Johannes 6,19-20: Als sie nun etwa eine Stunde gerudert hatten, sahen sie Jesus auf dem See gehen und nahe an das Boot kommen; und Petrus sagte: "Na und? Ich kann mich teleportieren."

Dienstag, 4. Dezember 2007

Noch ein Lied?

Letzten Sonntag ging ich in die Gemeinde und traf beim Reinkommen auf eine ältere Dame, die sich furchtbar aufregte und verletzt war, weil die Gemeinde nur noch neue Lieder singt und nicht mehr "die Schönen aus dem Büchle". Hat mir sehr leid getan, dass die gute Dame mit dem neuen Liedgut nicht viel anfangen kann. Aber in der Gemeinde hat man eben auf das neuere Liedgut gesetzt, weil das vom Stil her besser ankommt. Das hat mich zum Nachdenken gebracht.

Seit einigen Jahren schon bin ich jetzt bei verschieden Projekten dabei und leite Anbetungszeiten usw... Und schon öfters haben Leute mir erzählt wie stolz sie sind, dass wir alle Teil der Anbetungs-Generation sind, die die Gott singen und ihn verehren. "The Modern Worship Movement" - moderne Anbetung - darauf sind wir stolz. Wir haben frische, neue Lieder, die die Gemeinden aufwecken und relevant sind für unsere Gesellschaft. Schön und gut.

Aber dann dachte ich: Modern? Modern für wen denn? Sitzt Gott, der Ewige, der Zeitlose, etwa auf dem Thron und hört sich unsere Lieder an und sagt: "Wow, das ist ja endlich mal was Neues, was Frisches!"??? Ich hab das Gefühl wir kommen manchmal zu Gott mit der Haltung "Hey, Gott und ihr alle da oben. Haltet euch fest. Wir haben wieder was Neues. Hier Hillsong United, oder Chris Tomlin. Das wird euch umhauen." Und im Himmel machen sie nur: "Pff, das haben wir doch schon vor 8 Ewigkeiten gesungen!". Moderne Anbetung also!? Und jetzt Postmoderne Anbetung? Und Emerging Worship? Für Gott ist das doch alles alter Käse.

Kann es sein, dass wir uns alle täuschen? Dass wir so richtig extrem am Wesentlichen, an der Anbetung, vorbeirutschen? Die Gemeinden sitzten derzeit auf einem Trend, der sagt, dass Gott mehr Lieder von uns möchte. Und das ist so gefährlich! Weil dann denken wir Lobreis und Anbetung = Musik. Und dann dauert es nicht mehr lang und es dreht sich alles nur noch um die Musik, um die Lieder, um die Powerpoint, um die Lautstärke, um die Hände in der Luft, um die Emotion... Dann streiten wir uns um Stilfragen und kämpfen mit im Worship War... Dann geht es um Konsum. Und dann kann es am Ende gut sein, dass unser Vermächtnis eben nicht ist, dass wir die große Anbetungsgeneration waren, sondern dass wir die Generation waren, die mehr Anbetungslieder geschrieben, gesungen und konsumiert hat als jemals eine Generation in der Geschichte der Gemeinde Gottes zuvor. Ist das das Vermächtnis, dass wir hier hinterlassen wollen?

Oder wollen wir von uns sagen können: "Wir haben Gott mit unseren Leben verherrlicht indem wir das Evangelium zu jedem einzelnen Menschen auf diesem Planeten hingebracht haben."? Dafür sollten wir doch bekannt sein. Das sollte die Anbetung sein, die wir Gott darbringen wollen.

Und dann wird die Stilfrage doch ziemlich lächerlich. Und man fragt sich, braucht es denn noch mehr Lieder? Sicher, Gott freut sich bestimmt über unsere Lieder. Aber ich denke ganz oft reagiert er dann so: "Vielen Dank für das Lied und dass du dir soviel Mühe gegeben hast mit der Musik. Danke! Aber jetzt gehe bitte hin und kümmere dich um die Armen, gib den Hungrigen zu Essen und den Obdachlosen deinen Mantel. Fang an dein Lied zu leben. Lebe das, was du da singst. Und dann, dann ist es Worship..."

Dieser Post soll nicht mit dem Zeigefinger daherkommen. Das ist etwas, was mich beschäftigt und vielleicht bringt es dich ja auch zum Nachdenken. Ich freu mich auf dein Kommentar...