Mittwoch, 28. November 2007

Mal ganz ehrlich...

Ok, jetzt läuft der Blog hier schon eine kleine Weile und wir fühlen uns hier alle wohl und zu Hause. Nun kann ich also ganz ehrlich werden und persönlich schreiben. Wir sind ja unter uns, ne? Ich halte sowieso nicht soviel davon, wenn von Blogschreibern, Pastoren, Sonntagsschultanten oder Bibelschülern immer erwartet wird (oft selbstverschuldet), dass sie geistliche Superheros sind. Machen wir uns doch nix vor. Wir sitzen alle im gleichen Boot und leben alle das Leben, das nun mal von Berg- und Talfahrten geprägt ist. Weil das so ist, hab ich auch keine Scheu jetzt mal meinen Mund aufzumachen und die Seele sprechen zu lassen.

Aaaalso...

Ich bin schon seit einigen Wochen ziemlich down, weil der Tunnel in dem ich stecke länger ist als gedacht und das oft zitierte Licht am Ende des Tunnels einfach noch nicht sichtbar ist. Und ja, hier drin ist es stockdunkel und mir fehlt ein bissle die Perspektive. Ganz konkret mein ich damit, dass ich es momentan unbeschreiblich vermisse ein musikalisches Projekt zu haben, an dem ich mich austoben darf. Und noch viel konkreterer mein ich damit, dass ich im Juni 2008 fertig bin mit meiner Ausbildung zum Diplomchrist und keinen blassen Schimmer habe, wie es denn weitergehen soll. Wie diese ganze Bloggeschichte hier sicher deutlich macht, habe ich eine Leidenschaft für Musik, für Worship, für Gemeinde, für Gemeindegründung... Und ich hab von Gott in diese Richtung auch Begabungen empfangen dürfen, für die ich ja auch sehr dankbar bin.

Ich dachte immer Begabung und Leidenschaft weisen einen dann schon hin auf die Berufung und so bin ich mir sicher, dass ich in diese Richtung auch berufen bin. Aber nur wie? The Lord only knows! "Also, Gott, falls du das hier liest... ich bin schrecklich ungeduldig wie du weißt..." Ok, das weiß er. Und ich nehm's ihm nicht übel, aber er ist da sicher ein bissle enttäuscht von mir, weil ich scheinbar wenig Vertrauen in sein Timing habe. Hm.



Naja, jetzt geschah Folgendes: am Sonntag hat mir ein guter Freund erzählt (der, der mit diesem T-Shirt rumläuft), dass er ab nächstem Jahr der Keyboarder von der Sarah Brendel ist. Und aus einem mir unerklärlichen Grund war ich auf einmal total neidisch. Ich bin richtig über mich selbst erschrocken. Nicht, dass ich es meinem Kumpel nicht gönne - im Gegenteil: Julian, alte Socke! Ich freu mich echt für dich!!!! Aber irgendwie hat das in mir drin ganz viel aufgewühlt. So einen Traum hab ich doch auch. Vielleicht jetzt nicht unbedingt bei der Sarah Brendel, aber halt allgemein Musik und so. Aber ich hab ja viele Träume. Und bei anderen scheint alles zu flutschen - Julian darf bei Sarah spielen, frühere Bibelschülerkollegen von mir haben richtig coole Projekte und Gemeinden usw... - nur bei mir nicht. Anderen gehen die Türen auf und ich stehe vor einer Wand die scheinbar keine Türen hat.

Und so bin ich ins Gebet (seit langem mal wieder) und hab versucht das alles abzugeben und Gott angefleht, dass er mir doch zeigt, was er von mir will. Er weiß ja doch, dass ich ihm zur Verfügung stehe... Und während ich so bete, höre ich aus dem Nachbarzimmer, wo mein iTunes seit einiger Zeit vor sich hinträllert, den folgenden Song:

"I'm giving You my heart and all that is within
I lay it all down for the sake of You my King
I'm giving you my dreams, I'm laying down my rights
I'm giving up my pride for the promise of new life
And I surrender all to You....."

zu Deutsch:

"Ich gebe dir mein Herz und alles was drin ist
Ich lege alles hin um Deinetwillen, mein König
Ich gebe dir meine Träume, ich lege meine Rechte ab
Ich verzichte auf meinen Stolz für das Versprechen auf ein neues Leben.
Und ich lege dir alles hin....."

Mit Tränen in den Augen habe ich dann versucht dieses Lied zu beten - das ist nämlich ganz schön heftig, was man Gott mit diesem Lied alles verspricht. Das zerbrach mal wieder Vieles in mir...

... aber auf einmal wurde mein Herz mit einem Frieden erfüllt. Bin mir ziemlich sicher, dass es genau der Frieden ist von dem es heißt, dass er größer ist, als mein lächerlicher menschlicher Verstand es je begreifen kann. Der Friede Gottes selbst, der mein Herz und meine Gedanken im Glauben an Jesus Christus bewahrt (siehe Phil 4,7).

Freitag, 23. November 2007

Happy Day Clip

Der englische Songwriter Tim Hughes ("Here I am to worship", "Beautiful One"...) hat letztes Jahr einen weiteren Kirchenhit geschrieben: "Happy Day". Ein richtig cooler Song. Wer ihn noch nicht kennt, sollte mal auf Tim's MySpace-Seite reinhören!

Doch damit nicht genug. Der 11jährige Josh und der 9jährige Jonah stellen nun auf YouTube die erste Cover-Version vor:



Was ein Hammer!

Donnerstag, 22. November 2007

Ilona's Zeugnis

Eine sehr bewegende Geschichte hat Ilona zu erzählen. Sie ist aus dem Jesustreff, eine Gemeinde in Stuttgart, in der ich gerade Praktikum mache. Ihr Zeugnis kannst du dir hier anhören.

Hörenswert!

Montag, 12. November 2007

Hingefallen.

Wie manch einer vielleicht weiß, bin ich gerade in Rumänien. Am Samstag war ich in der Stadt Brasov, und da ist mir mal was richtig Dummes passiert. Dumm, peinlich, schmerzhaft, hosenzerreisend... Also, ich wollte so schnell mal die Straße überqueren zwischen Verkehr und Gegenverkehr und renne los und beachte die Bordsteinkannte nicht richtig. Und da haut es mich doch längs auf die Straße, aber zack und drauf auf den Asphalt. Ich bin ja 2 Meter groß, das geht also für mich in solch einer Situation ganz schön tief runter. Und da hat es mich im wahrsten Sinne des Wortes "hingebrezelt". Warum?

Ich hatte es einfach extrem eilig...

...obwohl eigentlich gar keine Eile da war. Und dann lag ich da mitten auf der Strasse, die Autos machen eine Vollbremsung und die Rumänen kommen von allen Seiten und rufen, "Hey! Bine, bine?" (nicht "Hey, honigproduzierendes Insekt?", sondern "Hey, alles gut?"). Dumm und peinlich – aber hallo!

Ha, und jetzt kommt der geistliche Bezug dazu. Ich weiß nicht, ob du das kennst, aber oft habe ich es auch geistlich ziemlich eilig. Ich will schnell vorwärts kommen, schnell die geistlichen Tiefen überwinden, schnell im Glauben weiterkommen, dies und das für das Reich Gottes erledigen und eins nach dem anderen abhaken. Aber das haut nicht hin - oder besser... das haut mich hin!

Jemand Schlaues hat mal gesagt: "You cannot go faster than the one you are following" (zu deutsch: "Du kannst nicht schneller laufen als der, dem du nachfolgst."). Jesusnachfolge... puh, wenn ich mir Jesus anschaue, dann sieht das so aus, als ob er es nie wirklich besonders eilig hatte. Er hatte immer Zeit für die Leute um sich rum; sei es Zachäus, der Zöllner im Baum, oder Maria, die sich vor dem Haushalt drückte.

Jesus hatte es nicht eilig.

Als das Jüngerboot in den Sturm gerät, liegt Jesus unter Deck und schnarcht, während seine Freunde um's Überleben kämpfen.
Als Lazarus krank wurde, machte er sich nicht sofort auf um ihn zu heilen, sondern wartete ein paar Tage bis er tot war und stinkt.
Und er selbst hat mit seiner Auferstehung auch 3 Tage gewartet...

Jesus hatte es nicht eilig.

Und im alten Testament, lesen wir von Abraham, der erst im hohen Alter Papa geworden ist.
Das Volk Israel ist auch nicht direkt von Ägypten nach Israel gewandert, was wohl nur wenige Wochen gedauert hätte. Nein, sie folgten einem Gott nach, der sie erst mal 40 Jahre durch die Wüste führt. Kreuz und quer.
Später wird David zum König gesalbt und geht gleich nach der Salbung zurück in die Einsamkeit um auf die Schafe aufzupassen.

Gott hatte es nicht eilig.

Was will ich mit all dem sagen? Ich glaube, Christsein heißt nicht, Jesus vorauszurennen, sondern ihm nachzufolgen. Und er nimmt sich meistens Zeit. Christsein heißt also auch nicht, christliche Aufgaben zu erfüllen, sondern in seiner Gegenwart zu sein, "bei ihm Wohnung nehmen" (wie manch alter Liedschreiber es formulieren würde). Das sollte das Volk Israel lernen, das sollte Maria lernen und das darf ich auch immer wieder lernen.

PS: Und wer Probleme hat, Schritt zu halten, der hat dann vielleicht Probleme im Schritt:

Meine Hose hat's zerrissen, so was Blödes!

Dienstag, 6. November 2007

Ich kann nicht anders.

Wir Christen sind ja eigentlich anders. Anders, weil wir ja nicht mehr so sind, wie wir mal waren, damals als wir noch "im Fleische" wandelten. Jetzt haben wir ja Jesus, der uns und unser Leben verändert...

IM ERNST???

George Barna hat eine Studie durchgezogen, die echt mal erschreckend ist. Er vergleicht, in wie weit sich ein Christ von einem Nichtchristen unterscheidet. Das ist eine sehr breitgefächerte Studie, hier aber ein paar Auszüge.

1. Dienen
Wer dient mehr, der Christ oder der Heide? Wenn du denkst, dass sich ein Christ mehr freiwillig für andere einsetzt als ein Nichtchrist, dann hast du Recht. 27% der Nichtchristen geben ihre Zeit an gemeinnützige Organisationen. Die Christen liegen vorne mit 29%. 2 jämmerliche Prozent, und wir sagen immer, "die Welt" ist so von sich selbst eingenommen, während wir, der Leib Christi, in völliger Hingabe leben... 2 %, kein überzeugender Unterschied, oder?

2. Spenden
Und wie sieht es mit dem Spenden aus? Da sind doch die Christen sicherlich viel großzügiger als die Nichtchristen. Wir haben ja einen reichen Vater, der uns reichlich segnet. Da geben wir doch gerne! Anscheinend nicht! 48% der Nichtchristen gaben an, im vorherigen Monat gespendet zu haben, verglichen mit 47% bei den Christen.
Hast du das? Nichtchristen sind großzügiger als Christen. Und noch schlimmer: Wenn 47% der Christen gespendet haben, heißt das, dass 53% der Christen nicht gespendet haben. HEY! Über die Hälfte der Jesusnachfolger geben ihr Geld nicht in die Mission, in die Gemeinde oder den Armen! Das ist eine Tragödie!

3. Glaube
Hast du gewusst, dass genauso viel Christen wie Nichtchristen ihr Horoskop lesen, nämlich 36% auf beiden Seiten - "Oh, du bist ein Fisch?" "Ja, heute ist ein toller Tag um sich neu zu verlieben oder einen Goldfisch zu kaufen!" Jeder Christ ein Fisch?

4. Ehe
Der hat mich am meisten geschockt... 27% aller wiedergeborenen Erwachsen haben bereits eine Scheidung hinter sich – verglichen zu 23% bei den Nichtchristen. Es scheint, als ob die Menschen, die Gott versprechen, sich nicht scheiden zu lassen, eher ihre Ehe beenden, als die Menschen, die sich "einfach so" im Namen des Friedens oder des wasweissichwas getraut haben.

Die Liste geht noch weiter, aber ich belasse es bei dem.

Wir Christen sind berufen, anders zu sein um einen Unterschied für Jesus in dieser Welt zu machen. Aber wir sind gar nicht so anders. Und wenn wir genauso (oder schlimmer) sind wie die Welt, dann sind wir auch wenig attraktiv. Ich mein, warum sollte sich da noch irgendeiner bekehren?

Da schau ich mir mein Leben an und versuche ehrlich mit mir selbst zu sein. Lebe ich wirklich so anders? Benehme ich mich anders? Bin ich anders als meine nichtchristlichen Nachbarn? Oder die Leute auf der Arbeit? Im Studium? Und wie gehe ich mit meinem Geld um? Ist meine Ehe anders? Meine Freundschaften? Meine moralischen Werte?

Und da stelle ich fest, ich bin nicht anders, ich kann nicht anders. Ich lebe kein reines, heiliges Leben. Ich lebe nicht aus der Kraft des Heiligen Geistes. Ich lebe... ziemlich genauso wie der Rest der Welt.

Und ich falle auf die Knie und bete: "Herr, verändere mich!!"


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Quelle: George Barna, The Second Coming of the Church, S. 6

Donnerstag, 1. November 2007

Fast ein Christ

Die letzten Wochen habe ich das Vorrecht gehabt auf der Bibelschule über die Theologie von John Wesley zu lernen. Heieiei, das war schon ein Hammerkerl. In dem Kurs haben wir dann seine alten Predigten gelesen und ich bin über eine gestolpert über die ich heute noch nachdenken muss: "The Almost Christian", also der Fast-Christ (nicht englisch "fääst", sondern deutsch "fast", "kurz davor", "nicht ganz", "knapp daneben und auch vorbei"...).

Die Predigt von Papa John hat mich echt mitgerissen, weil sie so extrem direkt und konfrontierend ist. So predigt heute keiner mehr. Es geht um den Unterschied zwischen einem Menschen, der von sich sagt, dass er Christ sei und einem Menschen, der wirklich ein Christ ist.

Der "Fast-Christ" ist ein guter, ethischer Mensch mit Werten und Normen. Er gibt den Hungrigen zu essen und er klaut nicht. Er arbeitet hart und tut alles für seine Familie. Er ist religiös und trägt "das Äußere eines Christen" (Wesley). Er lebt ein vorbildliches Leben und kümmert sich um andere Menschen. Und, vor allem, meint er alles, was er tut, sehr sehr ernst. Aber er ist eben nur fast ein Christ.

Die Community Christian Church im amerikanischen Naperville hat mal richtig gute Mac-Werbung-Parodien produziert:



(Hier gefällt mir vor allem der "Im Falle der Entrückung ist dieses Auto unbesetzt"-Aufkleber!)

Was ist jetzt dann der Unterschied zwischen einem Fast-Christ und einem richtigen Christ. Als ich Wesley's Predigt gelesen hab, dachte ich nämlich erst: "Was will er denn? Der Fast-Christ ist doch ein Christ!" Aber Papa John macht da eben einen Unterschied, und dieser liegt darin, dass der "Altogether Christian" (also der echte Christ) eine tiefe Liebe zu Gott und zu seinem Nächsten hat. Diese Liebe ist die Motivation, die ihn treibt - nicht das Pflichtgefühl Gutes tun zu müssen. Außerdem hat der "Altogether Christian" Glauben an Gott und an die Kraft Gottes. Dieser Glaube ist mehr als nur ein Glaube an die Aussagen der Bibel. Dieser Glaube ist "ein tiefes Vertrauen und die Gewissheit von Christus erlöst zu sein."




(A loose fire-wire! Hahaha.)

Das ist so ganz witzig und interessant, aber es fordert mich auch heraus mal in den Spiegel zu schauen. Was für ein Christ bin ich denn? Es geht nicht darum, nur das Äußere eines Christen zu tragen oder gute Absichten zu haben. Und es geht erst Recht nicht darum, was ich alles tue. Mike Pilavachi hat mal gesagt: "Christianity doesn't start with a big DO, but it starts with a big DONE." (in etwa "Christsein beginnt nicht damit etwas zu TUN, sondern es beginnt damit, dass bereits etwas GETAN wurde.")

Jesus. Golgatha. Es ist vollbracht.

Es kommt also nicht auf meine Werke an, sondern auf meine Herzenseinstellung, also vor Gott auf die Knie zu gehen und zu sagen: "Lieber Vater, du bist mein Alles!"